MEINUNG
09. April 2014 Artikel 6/8
Rente
Von Birnen und Kränen
von nico fried
Nico Fried
Leiter, Parlamentsredaktion Berlin
Nico Fried leitet seit 2007 die SZ-Parlamentsredaktion in Berlin. Zusammen mit seinen Kolleginnen und Kollegen berichtet er über die Personen und Ereignisse im Kanzleramt, den Ministerien, dem Parlament und anderen Orten, wo Politik gemacht wird. Der gebürtige Ulmer lebt seit 1996 in der Hauptstadt, wo er vier Jahre lang für die Berliner Zeitung arbeitete. 2000 kam Fried zur Süddeutschen Zeitung und berichtete aus der Parlamentsredaktion über die deutsche Außenpolitik, die damalige PDS und später über die Grünen. 2004 übernahm er die journalistische Beobachtung der SPD, drei Jahre später die Büroleitung. Nico Fried, geboren 1966, hat in München und Hamburg Politikwissenschaften studiert und mit einem Magister Artium abgeschlossen.
Es gibt gute Gründe, sich über die Rente mit 63 aufzuregen. Einer davon ist, dass sich die SPD ihre Versöhnung mit den Gewerkschaften in aller Dreistigkeit von den Beitragszahlern der Rentenkasse finanzieren lässt. Ein anderer Grund ist der logische Widerspruch, dass die frühere Rente mit der Maloche von 45 Jahren gerechtfertigt wird, zugleich aber auch denen zugutekommen soll, die jahrelang arbeitslos waren. Das Argument der SPD für diese Regelung, dass nämlich nur wenige Menschen davon profitierten, ist genauso gut ein Argument dagegen.
Gleichwohl lenkt der koalitions- und unionsinterne Streit um die Rente mit 63 nur davon ab, dass die viel größere Belastung für die Beitragszahler vom Unions-Projekt der Mütterrente verursacht wird. Wenn Unionspolitiker jetzt dauernd mit einem Finger auf die SPD und deren Rente mit 63 zeigen, zeigen drei andere Finger auf sie selbst und ihren Raubbau an der Rentenkasse.
Angela Merkel trägt das alles mit – gegen ihre Überzeugung. Sie verweist auf den Wahlkampf, in dem beide Projekte versprochen wurden. Das stimmt, aber damals konkurrierten sie, jetzt kumulieren sie sich. Arbeitsministerin Andrea Nahles könnte man in ihrer eigenen Terminologie aus früheren Zeiten als Abrissbirne der Generationengerechtigkeit bezeichnen. Aber der Bagger, an dem diese Birne hängt, hieße dann Angela Merkel.

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